DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
06.02.2019

Wie sich dunkle Augenränder bilden und was dagegen unternommen werden kann

Dunkle Augenringe gelten im zwischenmenschlichen Umgang als ein Anzeichen für einen Ermattungszustand, wobei dies oft ein Vorurteil ist. Zumeist allzu schnell wird die Einschätzung vorgenommen, eine Person mit dunkel verfärbten Bereichen unterhalb der Augen oder mit Verfärbungen rings um die Augen ruhe sich zu wenig aus, oder sie sei übermüdet oder gar krank. Solche Bewertungen sind nur selten richtig. Oftmals handelt es sich bei den Schattierungen unter den Augen lediglich um eine Überpigmentierung. Oder es schimmert bei einer dünner werdenden, alternden Haut lediglich das venöse Gefässgeflecht durch, d.h. tiefer liegende, kleine Blutgefässe werden als bläuliche Schattierung sichtbar, was völlig normal und auch unspektakulär ist. Gleichwohl gibt es aber auch diverse andere Gründe und Ursachen dafür, mit denen wir uns hier kurz befassen wollen, wobei auch Massnahmen zur Behebung dieser Erscheinung zur Sprache kommen sollen.

Zur Begriffsdefinition

Im Zusammenhang mit den sogenannten dunklen Augenringen fallen oft Begriffe wie “Schatten unter den Augen“, „ tiefe Augenränder“, „Tränenrinne“, „Tränenfurche“ oder „Tränensäcke“. Viele dieser Begriffe überschneiden sich, vom Wortsinn her, zu kleineren oder grösseren Anteilen, bzw. sie werden synonym gebraucht. Mit Augenrand wird meist die untere Umrandung des Auges bezeichnet, wobei oft eigentlich die Tränenrinne damit gemeint ist. Die Tränenrinne befindet sich am Ansatz des unteren Augenlieds, am unteren Rand der Augenhöhle, über dem Tränenbein (os lacrimale). Es ist eine Hautvertiefung, die bei den einzelnen Personen von der Position oder von der Tiefe her jeweils unterschiedlich ausgeprägt ist. Ist die Vertiefung eher mässig, kann man sie als Tränenrinne bezeichnen, ist sie sehr deutlich und tief, spricht man auch von Tränenfurche. Der Begriff „dunkle Augenringe“ bezieht sich auf die äussere Erscheinungsform der Region rings um die Augen. Dieser Bereich ist nach oben fest abgegrenzt ist, nach unten jedoch nicht. Schattierungen treten zumeist im unteren Bereich zutage, und sie sind dort auch viel auffälliger als über dem oberen Augenlid. Tränensäcke hingegen sind Ansammlungen von Unterhautfettgewebe weiter unten, am inneren Rand des Jochbeins (os zygomaticum). Sackt Fettgewebe infolge von schwächer werdendem Bindegewebe nach unten ab, so wird gleichzeitig die Haut weiter oben dadurch dünner und auch transparenter, was die Ausbildung von Augenringen unter den Augen begünstigt. Somit gibt es einen engen Zusammenhang auch zwischen entstehenden Tränensäcken und dunklen Augenringen.

Wie Augenringe entstehen können

Augenringe sind also dunkele, schattig verfärbte, oft bläulich schimmernde Hautbereiche zumeist unterhalb der Augenhöhle. Wenn sie sich ausbilden, treten sie meist zuerst an den Augenwinkeln auf, und wachsen dann rings um das Auge an. Wie bereits erwähnt, ist die primäre Ursache zumeist eine Überpigmentierung, oder es handelt sich um durchscheinende, kleine Blutgefässe, als Folge des Alterns. Die Prädisposition zur Entstehung der Augenringe ist genetisch bedingt. Es gibt jedoch auch äussere Faktoren und kausale Zusammenhänge, die eine Ausbildung von Augenringen begünstigen. Dazu zählt in erster Reihe Schlafmangel gepaart mit verminderter Sauerstoffversorgung. Bei schlechter Durchblutung ist das sauerstoffarme Blut von dunklerer Farbe als normal, und es scheint dementsprechend stärker durch dünnes, pergamentartiges Gewebe durch. Ausser dem Schlafmangel gibt es weitere Einflüsse, die zu einer Verfärbung des Aussenbereichs beitragen können. Zu nennen wären beispielsweise Flüssigkeitsmangel, sonstige Mangelerscheinungen bei einseitiger Ernährung (z.B. Eisenmangel), aber auch Alkohol- oder Drogenkonsum. Manchmal sind Augenringe auch erste Hinweise auf eine entstehende Erkrankung. Solche Anzeichen sollten dann durchaus ernst genommen werden.

Wie kann man auffälligen Augenrändern beikommen?

Hausmittel gegen Augenringe gibt es zuhauf, man denke nur an die klassischen Gurkenscheiben, kalte Kompressen oder eingeweichte Teebeutel, die auf betroffene Stellen aufgelegt werden. Der Erfolg ist zumeist mässig. Meist kann ausgiebiger Schlaf eine gewisse Verbesserung herbeiführen. Eine sehr wirkungsvolle Massnahme gegen dunkle Augenringe ist hingegen eine Unterspritzung der Tränenfurche bzw. eine Auffüllung und Aufpolsterung der Haut unter den Augen mittels eines Hyaluronsäure-Präparates. Eine Unterspritzung in diesem Bereich ist nicht ganz einfach, weil die Haut hier besonders dünn ist. Zum Einsatz kommen sehr feine Kanülen. Zumeist wird in zwei Etappen vorgegangen: Zuerst wird die Tränenfurche mit einem Hyaluronsäure-Gel unterspritzt – dadurch wird der Augenrandbereich angehoben. Zusätzlich zu dieser Behandlungsmassnahme können in einem zweiten Schritt die Augenränder korrigiert werden. Bereits kurz nach jeweiliger Unterspritzung ist man wieder gesellschaftsfähig, denn die behandelten Areale können gut überschminkt werden. So sind eventuell auftauchende leichte Verfärbungen (die in der Regel nach wenigen Tagen von selber verschwinden) gut zu verbergen. Gelegentlich erscheinende kleine Schwellungen und Unebenheiten bilden sich meistens ebenfalls innerhalb kurzer Zeit zurück. Die Resultate können sich sehen lassen. Wie bei allen Unterspritzungen mit Hyaluronsäure sind die erzielten Ergebnisse nicht permanent, sondern sie gehen im Laufe der Zeit zurück, da es sich um Präparate handelt, die vom Körper abgebaut werden. Die Behandlung kann jedoch beliebig oft wiederholt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Haut im Bereich des Augenunterlids nicht zu schlaff und zu dünn ist, denn dann wäre zur Straffung ein operativer Eingriff erforderlich.