DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
20.06.2017

Bei übermässigem Schwitzen hilft eine Botulinumtoxin-Behandlung

All die Personen, die nicht von übermässigem Schwitzen betroffen sind, können sich wahrscheinlich keine richtige Vorstellung drüber machen, wie unangenehm und belastend eine krankhaft übersteigerte Schweissaussonderung sein kann. Etwa bis zu 2% der Menschen leiden an diesem Krankheitsbild, das den medizinischen Fachbegriff Hyperhidrose führt. Bei ihnen wird weit mehr Schweiss produziert, als für die Regulierung der Körpertemperatur notwendig ist. Bei den allermeisten Menschen wird Schweiss nur in einer Menge erzeugt, die benötigt wird, den Organismus durch Verdunstungsenergie herunterzukühlen und so vor einer Überhitzung zu schützen: Bei körperlicher Anstrengung, wenn man zu warm angezogen ist, oder bei erhöhter Aussen- bzw. Raumtemperatur. Wer unter Hyperhidrose leidet, schwitzt jedoch auch ohne einen solchen Anlass erheblich, wobei der Übergang zwischen noch normalem und bereits krankhaft übersteigertem Schwitzverhalten fliessend verläuft.

Was kann gegen Hyperhidrose unternommen werden?

Eine generelle Hyperhidrose liegt vor, wenn am gesamten Körper übermässig geschwitzt wird. Zumeist sind es aber nur einzelne, ganz bestimmte Körperteile, an denen ein Übermass an Schweiss ausgesondert wird. Das können die Achselhöhlen, die Hände, die Füsse oder das Gesicht sein. Ein Schweissausbruch tritt bei den Betroffenen schon bei normaler körperlicher Bewegung ein, kann aber auch völlig unangekündigt erfolgen. Männer sind schon allein darum weitaus stärker von diesem Phänomen berührt, weil das ausgestossene Schweissvolumen bei ihnen generell etwa doppelt so hoch ist als bei Frauen. Ist die Ausprägung der Hyperhidrose eher moderat, dann können herkömmliche Mittel und Methoden durchaus helfen, die Schweissmenge möglichst klein zu halten. Sind diese aber nicht ausreichend bzw. nur wenig erfolgreich, bietet sich eine Behandlung mit Botulinumtoxin an.

Wie hilft Botulinumtoxin gegen Hyperhidrose?

Die Schweissdrüsen entwickeln den Schweiss dann, wenn sie über das vegetative Nervensystem einen Reiz erhalten, der sie zur Schweissproduktion anregt. Die Botulinumtoxin-Behandlung setzt an diesem Punkt an: Es gilt, die Weiterleitung des Nervenimpulses vom vegetativen Nerv an die Schweissdrüse zu unterbinden. Das Botulinumtoxin ist hierfür das probate Mittel. Es ist ein Nervengift, das einen Nerv vorübergehend lahmlegen kann. Wird eine kleine Dosis direkt an die Schweissdrüse gespritzt, so kann der Nervenimpuls nicht mehr weitergeleitet werden und die Produktion von Schweiss bleibt komplett aus. Der Nerv regeneriert sich jedoch innerhalb von etwa vier bis sechs Monaten, so dass die Behandlung wiederholt werden muss.

Wie verläuft die Botulinumtoxin-Behandlung?

Weil jede einzelne Schweissdrüse mit einer winzigen Dosis gezielt unterspritzt werden muss, sind relativ viele Einstiche notwendig. Und weil ein Einstich (zumal an Händen oder Fusssohlen) ziemlich schmerhaft sein kann, wird der zu behandelnde Bereich vor dem Injizieren des Botulinumtoxins meistens örtlich betäubt. Der Effekt tritt zeitversetzt, etwa nach zwei Tagen ein, wobei sich die volle Wirkung etwas später, nach bis zu zwei Wochen einstellt: In den behandelten Regionen bleibt das Schwitzen komplett aus. Doch muss nach Abklingen des Lähmungseffektes, den das Botulinumtoxin ausgelöst hat, nachgespritzt werden. Eine Botulinumtoxin-Behandlung kann darum teuer werden, denn sie muss in regelmässigen Abständen wiederholt werden. Als alternative Behandlungsmethode mit nachhaltigem, dauerhaftem Effekt bietet sich die Absaugung der Schweissdrüsen durch Saugkürettage an.