DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99

Geruchsbildung bei starkem Schwitzen durch bakterielle Zersetzung

Um besser verstehen zu können, woher der vom Schweiss ausgehende Geruch kommt, ist es hilfreich, die menschlichen Schweissdrüsen etwas genauer zu betrachten. Es gibt zwei Arten von Schweissdrüsen; die ekkrinen und die apokrinen. Besonders dicht sind ekkrine Schweissdrüsen an Fusssohlen, Handflächen, im Gesicht und den Achselhöhlen angesiedelt. Diese können grosse Mengen an wässrigem und relativ geruchsneutralem Schweiss ausschütten. Apokrine Schweissdrüsen, vor allem in der Genitalregion sowie unter den Achseln anzutreffen, sind nicht nur von der Anzahl her geringer, sie funktionieren auch anders. Sie sondern einen dickflüssigeren Schweiss aus, der vielfältige Inhaltsstoffe hat, die von den Bakterien der Hautoberfläche zersetzt werden und dadurch einen charakteristischen Geruch entwickeln.

Zersetzt wird apokriner Schweiss

Hyperhidrose-Patienten, die unter einer erhöhten Ausschüttung von Schweiss leiden, haben zumeist keine Probleme mit Körpergeruch, weil das bei ihnen erhöhte Schweissvolumen in der Regel aus ekkrinem Schweiss besteht, der nur in geringem Mass zersetzbare Ingredienzien enthält, und der daher auch kaum zum typischen Schweissgeruch führt. Ausserdem wir durch die grossen Mengen an produziertem ekkrinen Schweiss auch der apokrine quasi „weggewaschen“, so dass dadurch auch eine Zersetzung von letzterem reduziert wird. Körpergeruch kann dann zustande kommen, wenn in grösseren Zeitabständen geschwitzt wird und der Schweiss zwischendurch auf der Haut trocknen kann. Ist das der Fall, erhält die Hautflora die Gelegenheit, mit den Inhaltsstoffen des apokrinen Schweisses in Kontakt zu treten: Hautbakterien beginnen, die Inhaltsstoffe des Schweisses zu zersetzen, was dann zur Geruchsbildung führt.

Schwitzen vermeiden

Weil die Geruchsbildung vom apokrinen Schweiss ausgeht, bei Hyperhidrose jedoch eine Ausschüttung ekkrinen Schweisses stattfindet, betrifft das Geruchsproblem in gewisser Weise alle Menschen und nicht speziell Hyperhidrose-Kranke. Eine erste und vorrangige Massnahme gegen unangenehmen Körpergeruch wird sein, das Schwitzen einzudämmen. Das kann schon mit einfachen Mitteln, mit einem Antiperspirant oder Deodorant oder dem Tragen von an die Aussentemperatur angepasster, luftiger Kleidung erreicht werden. Ein nächster Schritt wäre, sich regelmässig mit antibakterieller Seife zu waschen. Manchmal hilft auch eine Ernährungsumstellung. Sofern all dies nicht zu einem befriedigenden Resultat führt, ist es ratsam, einen Dermatologen oder einen anderen, dafür spezialisierten Arzt zu konsultieren.

Was tun bei Fussgeruch?

Starker Fussgeruch kommt des Öfteren nicht allein durch die andauernde Feuchtigkeit und Nässe des Fussbereichs und die Schweisszersetzung durch „reguläre“ Hautbakterien zustande. Hervorgerufen werden kann er durch bestimmte Bakterientypen, die sich hier ansiedeln, weil sie hier ideale Bedingungen vorfinden. In solchen Fällen muss sowohl die Feuchtigkeit, als auch die angesiedelte Bakterienkultur bekämpft werden. Entsprechendes Schuhwerk, die Anwendung von Puder und Antiperspirantien sowie häufiges Wechseln von Socken und Schuhen können die Fussfeuchtigleit reduzieren helfen. Gegen unliebsame Bakterien helfen zunächst antibakterielle Seifen, oder, sofern vom behandelnden Arzt verschrieben, gegebenenfalls Antibiotika.

Die Bromhidrose

Bei starkem Schweiss- und Körpergeruch spricht man auch von Bromhidrose (ein Sammelbegriff, der von griechisch „Bockgestank“ und Schweiss kommt). Die starke Geruchsbildung bei dieser Äusserungsform beruht im Regelfall auf der bakteriellen Verstoffwechslung von apokrinem Schweiss zu Fettsäuren und Aminen. Besonders in der Pubertät entwickeln sich apokrine Schweissdrüsen, reifen nach und nach aus und entfalten mitunter eine besonders starke Sekretion, wobei die Bromhidrose eine Begleiterscheinung davon sein kann. Vor allem unter den Achseln entwickelt sich dann durch bakteriellen Abbau von apokrinem Schweiss ein mitunter penetranter Transpirationsgeruch. Bromhidrose kann aber genauso gut auch in der erhöhten Ausschüttung von ekkrinem Schweiss ihren Ursprung haben, und zwar dann, wenn infolge der Durchnässung z.B. der Fusssohlen das Kreatin der Hornhaut durch die ortsansässige Keimflora zersetzt wird. Es entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Propionsäure oder Buttersäure, die einen stechenden Geruch entwickeln. Gegen die Auswirkungen einer Bromhidrose kann neben den oben angesprochenen konservativen Mitteln eine Behandlung mit Botulinumtoxin oder auch eine Saugkürettage helfen.