DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99

Schwitzen – eine wichtige Körperfunktion

Schweissdrüsen zählen zu den Hautanhangsgebilden, wie beispielsweise den Haaren oder den Nägeln. Eine Schweissdrüse ist folgendermassen aufgebaut: Im knäuelförmigen Drüsenendstück wird der Schweiss produziert. Daran angeschlossen ist der Ausführungsgang, der in einer Hautpore endet, über die der Schweiss dann austritt. Schweiss ist zu Beginn geruchsneutral. Erst wenn seine Inhaltsstoffe durch mikrobiologische Einwirkung u.a. zu Buttersäure zersetzt werden, entsteht der typische, unangenehme Geruch. Wir unterscheiden zwei Arten von Schweissdrüsen, die ekkrinen und die apokrinen, und dementsprechend auch ekkrinen und apokrinen Schweiss.

Zwei Arten von Schweissdrüsen

Die ekkrinen Schweissdrüsen des Menschen sind fast über den ganzen Körper verteilt. Besonders dicht sind sie im Bereich der Hand- und Fusssohlen angesiedelt, ausserdem an der vorderen und der hinteren Schweissrinne im Brust- und Rückenbereich sowie auch im Gesicht (Stirne, Nase, Oberlippe). Ein Mensch besitzt zwischen 2 und 4 Millionen ekkrine Schweissdrüsen.

Die Anzahl apokriner Schweissdrüsen ist hingegen deutlich geringer. Sie sorgen für den individuellen Körpergeruch, den wir bei anderen Menschen meistens unterbewusst wahrnehmen, und der eine Rolle spielt bei der gegenseitigen, zwischengeschlechtlichen Anziehungskraft. Angesiedelt sind apokrine Schweissdrüsen vor allem im Achsel- und Genitalbereich sowie rund um die Brustwarzen.

Die Funktion des Schwitzens

Der Mensch sondert ekkrinen Schweiss hauptsächlich dazu aus, um seine Körpertemperatur zu regulieren, insbesondere um den Körper vor einer Überhitzung zu schützen. Es handelt sich um das sogenannte thermoregulatorische Schwitzen. Wenn ausgetretener Schweiss auf der Hautoberfläche verdunstet, wird dem Körper durch diesen Vorgang Wärme entzogen und die Körpertemperatur heruntergekühlt. Bis zu einem gewissen Grad ist Schwitzen also nicht nur normal, sondern sogar notwendig, besonders im Sommer, bei erhöhter Aussentemperatur und bei körperlicher Anstrengung. Sofern die produzierte Schweissmenge jedoch deutlich über das Normalmass hinausgeht, und wenn akute Schweissausbrüche ohne einen ersichtlichen Grund erfolgen, dann liegt in der Regel eine Hyperhidrose vor. Dabei sind die Übergänge von bereits erhöhtem, doch noch im Normbereich liegenden zum bereits krankhaften, verstärkten Schwitzen fliessend. Darum kann eine Diagnose erst nach sorgfältiger Untersuchung gestellt werden.

Unangekündigte Schwitzattacken

Schwitzen ist immer eine Reaktion auf einen Reiz. Meistens ist es ein äusserer Reiz, und das Schwitzen ist dann erklärbar und nachvollziehbar. Hier handelt es sich einerseits um thermoregulatorisches Schwitzen, andererseits um eine sogenannte emotionale Transpiration, die infolge von Gefühlsregungen oder bei nervlicher Anspannung auftritt. Bei einer primären Hyperhidrose, die nicht (wie die sekundäre Form) die Auswirkung einer Erkrankung oder einer eingrenzbaren Ursache ist, bleibt der auslösende Anstoss zumeist verborgen. Die Schweissausbrüche kommen oftmals unangekündigt und zu Unzeiten, also dann, wenn man sie eigentlich vermeiden möchte. Der Auslöser zum Schweisserguss kann manchmal gerade darin liegen, ihn unbedingt vermeiden zu wollen. So kann ein Teufelskreis entstehen, der den Betroffenen psychisch stark zusetzt. Manchmal sind die Ursachen zwar erkennbar, doch ist die körperliche Reaktion in Form einer Schweissausschüttung unverhältnismässig hoch: Betroffene schwitzen dann anfallsartig, z.B. schon bei kleinen Steigerungen der Aussentemperatur oder bei Gefühlsregungen, die bewusst keine wirkliche „Aufregung“ auslösen. Das übermässige Schwitzen kann dann zu Ängsten und Depressionen führen. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, ziehen sich die Betroffenen oftmals aus der Gesellschaft, der Öffentlichkeit und sogar auch aus dem Freundeskreis zurück.