DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
05.04.2019

Lipome: Behandlung von Fettwucherungen durch Liposuction oder durch operativen Eingriff?

Obwohl die moderne Medizin sich in einem Stadium befindet, in dem die Grundlagen von Anatomie und Physiologie als bekannt vorausgesetzt werden können und vieles auf diesem Gebiet wissenschaftlich bereits sehr umfangreich erforscht worden ist, gibt es in unserem Körper immer noch so manche Vorgänge, die auch heutzutage noch nicht richtig erklärbar sind. Dazu gehört auch die noch relativ wenig geklärte Ursache für das Auftreten von Lipomen. Warum sich Lipome überhaupt bilden, weshalb sie bei Auftreten von ihrer Anzahl und ihrem Umfang her individuell so unterschiedlich sein können, wieso sie sich an bestimmten Körperstellen häufiger bilden und warum sie sich völlig unabhängig vom Körpergewicht (d.h. auch von der individuellen Fettmasse) entwickeln - all das und noch viel mehr in Zusammenhang mit Lipomen sind Fragen, auf die die heutige Medizin noch keine zufriedenstellenden oder schlüssigen Antworten zu geben vermag.

Was ist ein Lipom?

Ein Lipom ist eine vermehrte Ansammlung von Fettgewebe in der Unterhaut (oder seltener auch in tieferen Gewebsschichten). Je nach Stadium oder Grösse kann man von einem Fettgewebe-Knubbel, Fettgewebe-Knoten, einer Fettgewebe-Beule oder von einer Fettgewebe-Geschwulst sprechen. Es handelt sich in allen Stadien um eine Fettgewebe-Wucherung gutartiger Natur. Von Knötchengrösse wächst die Fettgewebe-Ansammlung zuweilen bis zu Faustgrösse heran, und manchmal sogar darüber hinaus. Der Fettknoten ist dabei zwar prall gefüllt, doch relativ weich und elastisch. Es ist die Rede von einem harmlosen, gutartigen Tumor. Lipome treten bei etwa 2% der Bevölkerung auf, und es gibt Anzeichen dafür, dass eine gewisse genetische Prädisposition dafür besteht.

Sind Lipome ungefährlich?

Zum Unterschied zu Krebswucherungen werden bei Lipomen die sich unkontrolliert vermehrenden Fettzellen von einer Kapsel umhüllt. Das hat zur Folge, dass das sich wuchernd vermehrende Gewebe nicht in den Körper hineinwachsen kann. Aller Erfahrung nach sind Lipome fast immer komplett ungefährlich und somit allenfalls ein kosmetisches oder ästhetisches Problem. In nur extrem seltenen Fällen entwickelt sich aus einem Lipom ein bösartiger Tumor. Vom medizinischen Gesichtspunkt her betrachtet ist dementsprechend bei Diagnose Lipom eine Beseitigung der Zellanhäufung in den weitaus überwiegenden Fällen nicht erforderlich, weil es fast immer um eine harmlose Gewebswucherung geht.

Wo bilden sich Lipome?

Lipome können am ganzen Körper auftreten. Gleichwohl gibt es Regionen, in denen sie etwas häufiger anzutreffen sind, und umgekehrt auch solche, wo sie nur ganz selten beobachten werden. Häufig treten sie am Rücken und an den Schultern auf, dazu auch am Hals, Nacken und den Oberarmen. Gelegentlich bilden sie sich auch am Bauch, an den Hüften und an den Oberschenkeln. In anderen Körperzonen sind sie nur selten anzutreffen, an den Fingern beispielsweise fast nie. Sie diagnostisch einzuordnen ist im Regelfall unproblematisch. Allenfalls bei tiefsitzenden Lipomen wäre eine sichere Diagnose erst anhand spezieller Untersuchungen möglich.

Wie werden Lipome behandelt?

Weil Lipome ständig weiterwachsen, und weil sich die stets weiter fortlaufende Vermehrung des Fettgewebes nicht stoppen lässt, kommt man um eine Beseitigung des wuchernden Fettgewebes nicht umhin. Sind sie eher klein und unauffällig, wachsen sie nur sehr langsam, befinden sie sich ausserdem an Körperstellen, an denen sie kaum beachtet werden, so kann man sie komplett ignorieren. Sind sie jedoch bereits relativ voluminös, werden sie störend (weil sie auffallen und dabei unästhetisch wirken), oder verursachen sie sogar Schmerzen (weil sie eventuell auf benachbarte Nervenbahnen drücken), so ist ihre Entfernung sicherlich der bessere Weg. Durch einen operativen Eingriff lässt sich das komplette Lipom samt der Kapsel entfernen. Das hat den Vorteil, dass alle wuchernden Zellen herausgeschnitten werden und dass dadurch an dieser Stelle keine weitere Zellvermehrung stattfinden kann. Allerdings bleibt eine kleine OP-Narbe zurück sowie immer auch eine kleine Delle. Eine Alternative zum chirurgischen Eingriff ist zum einen die minimalinvasive Liposuction, zum anderen die Injektions-Lipolyse (die sogenannte Fett-weg-Spritze durch Injizieren von Deoxycholat). Durch Fettabsaugung ist das Resultat zunächst beachtlich, doch kann nicht ausgeschlossen werden, dass verbleibendes Fettgewebe erneut wuchert. Dann müsste die Behandlung wiederholt werden. Ähnlich verhält es sich mit der Fett-weg-Spritze, die allerdings nur zur Behandlung von kleinen bis mittelgrossen Lipomen geeignet ist: Auch hier können nicht alle Fettzellen mit Teilungsdrang entfernt werden, so dass ein Lipom unter Umständen wieder nachwachsen kann. Welche Methode bei der Bekämpfung eines Lipoms angewendet werden soll, bleibt letztendlich der Entscheidung des Patienten überlassen.

Zur Information: Noch ist die Injektions-Lipolyse oder "Fettwegspritze" in der Schweiz (Kanton Zürich) nicht zugelassen.