DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
06.11.2019

Beim den meisten Kosmetika wird viel versprochen, doch leider sehr wenig oder auch nichts gehalten

Dass hochgelobte und wärmstens angepriesene Cremes und Salben gegen Falten nicht besser wirken als eine ganz normale Feuchtigkeitscreme hat sich immer noch nicht überall herumgesprochen, denn auf dem Kosmetikamarkt wimmelt es weiterhin von solchen Präparaten, die zwar bis zu zwanzigmal teurer sind als herkömmliche Hautcremes, die jedoch in keinerlei Weise besser wirken als die einfachen Moisture-Pasten. Simple Feuchtigkeitscremes regulieren den Feuchtigkeitshaushalt der Haut und schützen die Haut vor Austrocknen genauso gut wie die ultrateuren Designercremes. Über Werbestrategien der Kosmetikbranche hatten wir in unserem Blog schon berichtet. Im Visier haben nun die Kosmetika-Hersteller nicht allein alternde und faltige Haut, sondern sie zielen auch auf andere Aspekte unseres Äusseren, rücken normale Alterungserscheinungen in ein schlechtes Licht und deklarieren sie zu vermeintlichen Unzulänglichkeiten um. So werden oftmals künstlich Bedürfnisse geweckt, mit der Absicht, sie durch eigene Produkte zu befriedigen.

Kosmetika gegen Cellulite?

Die bei den meisten Frauen ab einem gewissen Alter nach und nach auftretende Cellulite (auch „Orangenhaut“ genannt) ist ein ganz natürliches Phänomen, bedingt durch die spezifische, weiblichen Bindegewebestruktur der Dermis. Cellulite als Problem zu bezeichnen und sie sogar in die Nähe einer krankhaften Erscheinung zu rücken ist jedoch masslos übertrieben. Cellulite ist ein ganz natürliches Erscheinungsbild der Haut bei Frauen. Die Kosmetikbranche stilisiert sie jedoch zu einem unschönen Mangel oder gar einem Makel hoch, also zum ästhetischen Problem. Kosmetikahersteller haben jedoch sinnigerweise gleich auch die vermeintlichen Gegenmittel dazu parat. So wird gegen dieses bei Frauen ganz normale Hautbild eine ganze Palette von angeblich wirksamen Wundermitteln und Spezialmethoden ins Spiel gebracht, die allesamt völlig überteuert sind. Mögen sie noch so unterschiedlich sein – etwas haben diese Mittelchen und Anwendungen alle gemeinsam: Sie wirken nicht. Auch bei den Allheilmitteln gegen Cellulite hat die Stiftung Warentest bereits vor mehreren Jahren eindrucksvoll ihre Wirkungslosigkeit nachweisen können. Doch nichtsdestotrotz sind Kosmetika gegen Cellulite weiterhin beliebt, auch wenn sich keinerlei Erfolge ausser den eingebildeten einstellen.

Kosmetika gegen Haarausfall?

Ein ähnlicher Dauerbrenner ist das allbekannte Problem, dass mit zunehmendem Altern bei der Mehrzahl der Männer die Kopfhaare auszufallen beginnen. Auch dies ist ein völlig natürlicher Vorgang, ausgelöst durch das altersbedingte und hormonell gesteuerte Schrumpfen der Haarfollikel. Eine Krankheit ist dies jedoch keineswegs. Betroffenen, die das rarer werdende Kopfhaar belastend finden, stehen gleichwohl mehrere zugelassene Arzneimittel zur Hand, die diesen Prozess abmildern können. Anders steht es um die von der Kosmetikindustrie angepriesenen Haarmittel in Form von Haarwassern, Tinkturen, Shampoos oder gar selbsternannten „Haarwuchs-Aktivierungsmitteln“. All diese sollen den Haarausfall angeblich deutlich reduzieren oder gar die Haarwurzeln regenerieren und stärken, haben jedoch keinerlei Effekt. Ihre Wirkung ist gleich null. Solche Kosmetika zu kaufen, ist verschwendetes Geld. Doch angeregt durch Werbeversprechungen sind offenbar viele Männer trotz allem bereit, Wirkungsloses für teures Geld zu erstehen und erfolglos anzuwenden.

Warum äussere Mittel nur sehr eingeschränkt wirken

Um eine messbare Wirkung erzielen zu können, müssten äusserlich angewendete Mittel tief in die Haut eindringen. Denn um einen Effekt auslösen zu können, müssten sie in untere Schichten der Haut, in die Dermis (das Corum) oder sogar noch tiefer, in die Subcutis gelangen. Denn nur dort könnten sie einen Prozess auslösen, der der Haut zugutekommen könnte. Keine der aufgetragenen Substanzen, seien es Cremes oder Salben, Wässerchen oder Shampoos, Tinkturen oder sonstige Präparate dringen jedoch dermassen tief ein, weil die Oberschicht unserer Haut, die Epidermis dies schlicht und einfach nicht zulässt. Die Barriere- und Schutzfunktion der Haut mit ihrem Wasser-Fett-Film (dem Säureschutzmantel oder Hypo-Lipid-Film) erlaubt es – glücklicherweise – all den Substanzen, mit denen die Haut im Alltag in Kontakt kommt nicht, in den Körper einzudringen und hier gegebenenfalls auch Schaden anzurichten. Allenfalls feuchtigkeitsspendende und rückfettende Cremes, die die Schutzfunktion der Epidermis erhöhen, sind hilfreich – diese gelangen, wie alle aufgetragenen Cremes, in die Oberhaut, tiefer jedoch nicht. Alle anderen Salben und Cremes, die angeblich in der Tiefe wirken sollen, gelangen gar nicht in diese Hautschicht. Eine Anwendung für die beworbenen Zwecke ist kompletter Unsinn.

Können Kosmetika von innen wirken?

Die Kosmetikabranche ist erfinderisch. Warum sollte man den Kunden nicht vorspielen, dass Schönheit und Verjüngung auch auf umgekehrtem Wege, von innen kommen könne? Warum sollte den Regenerationswilligen nicht vorgegaukelt werden, durch eingenommene Drinks, Ampullen oder Kapseln könnte das genauso gut funktionieren wie angeblich mit Salben oder Cremes? Die einzelnen Hersteller wetteifern inzwischen in abenteuerlichen Versprechungen über die Wirksamkeit oraler Wundermittel. Es wird dabei nicht davor zurückgeschreckt, selbstangefertigte Gesundheitsstudien heranzuziehen, um angebliche Erfolge zu belegen. Leider ist auch diese Schiene nichts Weiteres als Geldmache, denn bei oralen Mitteln ist das Ergebnis für die Haut ebenfalls gleich null. Am Beispiel von Kollagen hatten wir in einem unserer letzten Blogbeizträgen dargelegt, warum das nicht funktionieren kann. Gezielt wird die Unwissenheit der Kundschaft ausgenutzt, um mit vorgetäuschter Wissenschaftlichkeit zu punkten und somit völlig überteuerte, gleichzeitig aber wirkungslose Mitte an den Mann oder an die Frau zu bringen.

 

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