DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
26.04.2019

Linderung von Symptomen beim Krankheitsbild Lipödem

Massiv anschwellende, dicke Beine und Oberarme, prall und unförmig anwachsender Po oder Hüftenbereich – das Lipödem ist in der äusseren Erscheinungsform kein besonders schöner Anblick. Jede der davon betroffenen Frauen (denn bei Männern tritt das Lipödem nicht auf) ist dabei einem zunehmenden Leidensdruck unterworfen. Es handelt sich um eine unaufhaltsam fortschreitende Krankheit, gegen die es auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine effiziente, wirksame Therapie gibt, die die Ursachen beheben könnte. Bei Lipödem besteht demnach bislang keine Möglichkeit einer Heilung. Dabei geht es hier um weit mehr als nur um eine fortwährende Verschlechterung der Körpersilhouette. Krankheitsbedingt treten Beschwerden auf, die sich verstärken und die Lebensqualität empfindlich einschränken können. Fettgewebe wuchert, Wasser staut sich vor allem in den Beinen an, es bilden sich Hämatome und Blutergüsse. Die Haut verhärtet sich und wird zunehmend gegen Druck empfindlich, so dass selbst bei Berührung unangenehme Spannungsschmerzen auftreten. Die Schmerzempfindlichkeit nimmt im Krankheitsverlauf zu. Schmerzen treten dann selbst beim Sitzen oder Gehen auf. Die Mobilität wird so nach und nach herabgesetzt und die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Besonders frustrierend ist, dass auch Diäten sowie eine disziplinierte, ausgewogene Ernährungsweise und Sport beim Lipödem leider keine positiven Auswirkungen haben: Diese Krankheit hat mit Übergewicht nichts zu tun.

Wie ist das Krankheitsbild bei Lipödem?

Beim Lipödem handelt es sich um symmetrische, verstärkte Fettgewebsvermehrungen zumeist an den Extremitäten (Beinen, Oberarmen) sowie auch an Hüften und am Gesäss. Es ist eine chronische, kontinuierlich fortschreitende Krankheit, die sich immer weiter verschlechtert. Es finden Veränderungen in der Unterhaut statt: Das Fettgewebe wächst unproportioniert stark allein an diesen Körperstellen – andere Regionen bleiben komplett verschont. Es ist demnach eine Fettgewebe-Verteilungsstörung. Dabei wachsen die Fettzellen selber übermässig stark an (Hypertrophie), gleichzeitig vermehren sie sich auch durch Zellwucherung (Hyperplasie). Das aus der Kontrolle geratene Fettgewebewachstum beeinträchtigt in zunehmender Weise die Funktionalität des Kapillarsystems, sodass Gewebsflüssigkeit nicht mehr normal abfliessen kann, sondern sich anstaut. Die Wassereinlagerungen bewirken eine zusätzliche Volumenvermehrung im Gewebe.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Eine Vermehrung von Unterhautfettgewebe vor allem in den Beinen beginnt unmerklich oft bereits nach der Pubertät. Die Ursachen dieser Krankheit sind gemäss dem aktuellem Stand der medizinischen Forschung noch nicht bekannt. Allerdings gibt es wahrscheinlich eine gewisse, genetisch festgelegte Prädisposition, an einem Lipödem zu erkranken. Während Beine, Oberarme, oft auch Po oder Hüften unaufhaltsam anschwellen, bleiben die restlichen Körperteile meist relativ schlank, so dass die Körperform immer mehr an Proportionalität und Ausgewogenheit verliert. Die Krankheit durchläuft mehrere Stadien, wobei in der letzten Phase die Haut schliesslich verhärtet und verdickt ist, und sich sogar unförmige, herabhängende Fettlappen bilden. Je nach Ausprägung an den befallenen Stellen unterscheidet man zudem auch mehrere Lipödem-Typen. Eine Diagnose des Lipödems ist im frühen Stadium noch relativ schwierig. Vergleichbare Krankheitsbilder gibt es z.B. auch bei Lipohypertrophie, bei Phlebödem oder auch bei Lymphödem. Zum Unterschied zu diesen ist der Auslöser eines  Lipödems immer eine übermässige Vermehrung der Fettzellen in der Unterhaut mit Bildung von knötchenartigen, harten Strukturen. Hinzu kommen dann Wassereinlagerungen im Fettgewebe, verursacht durch Störung der Funktionalität bzw. der Durchlässigkeit im Kapillarsystem der Gefässe in der Subcutis. Von diesen beiden Merkmalen, der Fettgewebswucherung verbunden mit Wasseranstauung, hat die Krankheit auch ihren Namen erhalten.

Therapieansätze beim Lipödem

Je früher die Diagnose Lipödem feststeht, umso besser kann bereits im Vorfeld, im Frühstadium der Krankheit begonnen werden, Gegenmassmahmen zu treffen. Wirksam bekämpfen lässt sich die Krankheit zwar leider nicht, doch kann der Verlauf so beeinflusst werden, dass sich die Symptome abschwächen lassen. Das trifft vor allem auf Massnahmen zu, die einer Wassereinlagerung im Gewebe gegensteuern. Dazu gehören konservative Therapieformen: Lymphdrainage und Kompression. Damit wird die Ansammlung von Wasser im Gewebe reduziert und die Druckspannung herabgesetzt, wodurch  auch eine deutliche Linderung von Schmerzsymptomen erreicht werden kann. Lymphdrainage-Anwendungen sollten regelmässig erfolgen, und sie sollten dauerhaft, ein Leben lang durchgeführt werden. Auch das Tragen von Kompressionsstümpfen ist bei Lipödem dringend zu empfehlen. Weil bei diesem Krankheitsbild eine unaufhaltsame, kontinuierliche Zunahme an Fettgewebe stattfindet, besteht die einzige Möglichkeit zum Gegenzusteuern darin, überschüssiges Fettgewebe und Fett operativ zu entfernen. Das geschieht am besten mittels Liposuction im Tumeszenzverfahren. Durch Vibrationslipolyse lässt sich Fettgewebe schonend abtragen. Man verwendet dabei feinste Kanülen, um Blutgefässe möglichst nicht zu verletzen. Weil es zumeist um relativ grosse Mengen an Fettgewebe geht, muss die Fettabsaugung in der Regel sukzessive, in mehreren Sitzungen durchgeführt werden. Auch ist es oft notwendig, die Absaugzyklen nach einigen Jahren zu wiederholen, um nachgewachsenes Fettgewebe zu entfernen. Das Resultat ist eine deutliche Linderung der Beschwerden: eine bessere Beweglichkeit und das Nachlassen der Spannungsschmerzen. Doch auch das optische Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Fettabsaugung führt zu einer sehr deutlichen Verbesserung der Körperform.