DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
09.10.2019

Inwieweit können sogenannte „Cosmeceuticals“ gegen Falten oder zur Hauterneuerung wirken?

In letzter Zeit beobachtet man in der Werbung zunehmend die Anpreisung von Produkten, die eine märchenhafte Wirkung in der Bekämpfung von Falten erzielen würden, deren Anwendung  eine phantastische und schelle Hautverjüngung bewirkt werden könne. Es sind Versprechungen, die Seriosität vortäuschen. Sie sollen Kundinnen und auch Kunden ködern, das entsprechende, zumeist erheblich überteuerte Produkt zu kaufen und anzuwenden. Sofern genauer auf die Versprechungen draufgeschaut wird, die angeblich sicheren Erfolg garantieren, entpuppt sich die Werbung als komplettes Wunschdenken, denn so gut wie keine der Verheissungen wird jemals durch eines der angepriesenen Mitteln eingelöst. Warum dieses so ist, wollen wir in unserem Blog etwas näher durchleuchten.

In vergangener Zeit ist schon viel über kosmetische Produkte und ihre angebliche Wirksamkeit gesprochen und publiziert worden. Mehrfach hat die Stiftung Warentest Gruppen bestimmter Kosmetikprodukte auf ihre Wirkung hin geprüft und unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse waren regelmässig niederschmetternd, denn immer wieder ist bei den Untersuchungen die komplette Palette der getesteten Kosmetika sang- und klanglos durchgefallen: Sämtliche Präparate wurden als wirkungslos und daher mangelhaft klassifiziert. Zu ähnlich ernüchternden Resultaten in der Bewertung von Kosmetikprodukten kommt auch der SPIEGEL in einer seiner jüngsten Titelgeschichten. Darin wird so Manches zu dem Thema aufgedeckt; aufhellende Hintergründe werden offengelegt und die Mechanismen der Branche durchleuchtet.

Was steckt hinter dem Begriff „Cosmeceuticals“?

Es handelt sich natürlich um ein neudeutsches Wort, das genauso wie so manch anderer Ausdruck aus dem Englischen den Eingang in unseren Sprachgebrauch gefunden hat. Es ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den Begriffen „cosmetics“ und „pharmaceuticals“. In deutscher Entsprechung könnte man sie etwa auch „Kosmetikamente“ nennen, was aufs Gleiche herauskommen würde. Vorgegaukelt wird mit dem Namen, es handele sich um Mittel, die ebenso wie Medikamente ganz rigoros auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen geprüft worden sind. Das ist jedoch nicht der Fall. Kosmetikprodukte unterliegen zu einem nicht der arzneimittelgesetzlichen Zulassung. Zum anderen müssen sie auch keineswegs eine Wirksamkeit in irgendeiner Form nachweisen. Für all das, was die „Jungbrunnenmittel“ an Ergebnissen und Wirkung versprechen, fehlt zumindest bisher ein wissenschaftlicher Beweis.

Was ist von einem „Kollagentrank“ zu halten?

Seit einigen Jahren kommen vermehrt kollagenhaltige Mittel auf den Kosmetikmarkt, die oral eingenommen werden, und bei denen behauptet wird, es sei wissenschaftlich belegt, dass sie Falten sichtbar mildern und die Haut merklich straffen. Keines der Kollagenmittel erzielt jedoch nach Einnahme die versprochene Wirkung. Das Problem bei den irreführend beworbenen Produkten liegt darin, dass die angeblichen wissenschaftlichen Studien zum einen von den Herstellern selber vorgenommen wurden, und zum anderen diese Studien dermassen gravierende Mängel aufweisen, dass sie komplett wertlos sind. Der Kunde wird mit Anpreisungen wie „wissenschaftlich erwiesen“, „klinisch getestet“ oder „hautärztlich geprüft“ gezielt hinters Licht geführt. Bei den Substanzen, die Kollagen enthalten und die oral eingenommen werden, soll angeblich die aus Rinderspalt oder Schweineschwarten extrahierten Kollagenfragmente über Magen, Verdauungstrakt, Leber und Blutkreislauf den Weg wieder zurück in die Haut finden und hier eine aufbauende Wirkung erzielen. Wenn es ihn wirklich gäbe, wäre dieser behauptete Vorgang ein sensationeller Mechanismus, der noch niemals in einem Lehrbuch der Physiologie beschrieben worden ist, und den es nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch nicht geben kann.

Warum können orale Kollagenpräparate nicht wirken?

Wir nehmen aus der ganz normalen Nahrung täglich im Schnitt vielleicht 60 Gramm Proteine zu uns. Dem Körper zugeführte Proteine und Peptide werden im Zuge der Verdauung in die Einzelbestandteile, einzelne Ameisensäuren und sehr kleine Peptide zerlegt. Der Körper setzt diese Einzelelemente dann dort wieder zusammen, wo gerade Bedarf ist. Kollagen ist ein Protein, das in ganz genau der gleichen Weise verdaut wird wie jedes andere Protein. Wie sollte also eine Trinkampulle von gerade 2,5 Gramm, die nur einen Bruchteil der normalen, durchschnittlichen Proteinzufuhr bedeutet, eine messbare Wirkung erzielen können? Ein Stückchen Fleischsülze oder einige Gummibärchen würden exakt die gleiche Proteinzufuhr bedeuten. Und wie soll es gehen, dass ein in seine Einzelbestandteile zerlegtes Kollagen aus dem Kollagenpräparat nun ausgerechnet in die Hautzellen gelangen soll und dort seinerseits in wundersamer Weise eine vermehrte Kollagenproduktion anregen soll? Dies sind komplett unsinnige, unwissenschaftliche, zusammengereimte Aussagen – Behauptungen der Kosmetikbranche, die schlichtweg falsch sind. Es sind Versprechungen, die nur darauf hinzielen, dass ein Anreiz geschaffen wird, komplett überteuerte Produkte zu kaufen. Eingenommene Kollagenpräparate haben einen keinerlei positiveren Effekt, als wenn man z.B. ein Stück Bratwurst, Eier, Linsen oder Haferflocken zu sich nehmen würde.

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