DR. MED. MARTIN ZOPPELT
Facharzt für Dermatologie · Venerologie · Zürich · Tel.: +41 44 262 11 99
11.07.2019

Informationen zur Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse)

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Injektionslipolyse ist in der Schweiz keine zugelassene Anwendung. Eine Behandlung könnte allenfalls auf eigenen Wunsch und auf eigenes Risiko stattfinden. Die nachfolgenden Informationen sollen daher auch keinesfalls als Werbung für diese Off-label-Behandlungsform missverstanden werden, sondern sollen ausdrücklich lediglich zur allgemeinen Information dienen.

Populäre Irrtümer hinsichtlich der Fett-weg-Spritze

In der herkömmlichen Meinung tauchen immer wieder irrige Ansichten auf, mit der Injektionslipolyse könnten im Handumdrehen und ohne grossen Aufwand Fettansammlungen zum Verschwinden  gebracht werden. Schon der populäre Name suggeriert, dass nach der Spritze das fett einfach weg sei, was schlichtweg falsch ist. Zwar stimmt es, dass das eingespritzte Präparat die Eigenschaft hat, Fett zu lösen und in eine Emulsion umzuwandeln. Das geschieht aber langsam, und auch in geringem Umfang. Die dem Fettgewebe auf diese Art entzogene Fettmasse kann auch nicht von selber verschwinden, sondern sie muss über die Leber verstoffwechselt werden. Die Methode eignet sich daher lediglich dazu, in sehr geringem Umfang an bestimmten Stellen, an denen ein Fettabbau sonst schwierig ist, das Volumen eines prall gefüllten Fettgewebes zu reduzieren.

Wie funktioniert die Injektionslipolyse?

Diese Behandlungsmethode basiert auf den Eigenschaften von Polyphosphatdycholin, einer Gruppe organischer Verbindungen, die auch unter dem Namen Lecithin bekannt sind. Es ist eine organische Substanz, die in jeder Zelle vorkommt und die z.B. aus Sojabohnen isoliert werden kann. Eingesetzt wird Lecithin in grösserem Umfang in der Lebensmittelindustrie, wo es zur Aufbereitung und Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt wird (z.B. bei der Herstellung von Brotteig, von Margarine oder auch von Schokolade). Lecithin hat die Eigenschaft, Fette so zu binden, dass sie mit einer wässrigen Flüssigkeit eine Emulsion bilden können. Ins Fettgewebe injiziert, würde das im Präparat enthaltene Phosphatdycholin zunächst die Zellmembran-Barriere überwinden müssen, um dann langsam Fett aus der Zelle herauszulösen. Die entstandene Emulsion, die aus der Zelle austritt und nach und nach vom Blutkreislauf aufgenommen wird, kommt anschliessend zur Verstoffwechslung. Wie bei jedem Abnehmen wird auch hier das Fett verbrannt, wobei Energie freigesetzt wird, die z.B. durch Bewegung oder Sport verbraucht werden muss. Wie erfolgreich die Fettreduktion verläuft hängt daher auch davon ab, wieviel freigesetztes Fett zusätzlich mit der Nahrung aufgenommen wird. Der einzige Unterschied zum herkömmlichen Fettabbau besteht darin, dass man mit der Injektionslipolyse recht zielgenau vorgehen kann und durch Einspritzen des Wirkstoffes dirigieren kann, an welcher Stelle Fett reduziert werden soll.

Für welche Körperstellen eignet sich die Injektionslipolyse?

Vor allem weil die Injektionslipolyse nur sehr kleine Fettvolumina von maximal 200 ml pro Region zu reduzieren vermag, kann sie keineswegs als Ersatz zur Liposuction angesehen werden, bei der pro Sitzung in der Regel mehr als das Zehnfache an Fett abgesaugt wird. Doch gibt es bestimmte Körperstellen, an denen eine Fettabsaugung relativ schwierig ist, z.B. beim sogenannten Doppelkinn, bei dem zur Absaugung äusserst behutsam vorgegangen werden müsste, weil im Halsbereich viele sensible Blutgefässe und Nerven verlaufen, die nicht verletzt werden dürfen. Injektionslipolyse eignet sich vor allem zur punktuellen Modellierung kleiner Fettpolster, die unästhetisch wirken. Zur den klassischen Einsatzregionen gehören z.B. auch die Tränensäcke, deren Reduzierung Mitte der 1990er Jahre im damaligen Pilotverfahren zur Erprobung der Behandlungsmethode diente.

Welches sind die Risiken, welches die Ergebnisse?

Da die Injektionslipolyse im Unterschied zur Liposuction, bei der operativ vorgegangen wird, eine simple Einspritzung eines Präparates darstellt, ist das Risiko dementsprechend minimiert. Die Nebenwirkungen beschränken sich zumeist auf geringfügige Einblutungen an den Einstichstellen sowie auf Rötungen und Schwellungen, die schnell abklingen. Trotzdem bleibt die Methode in der Schweiz bis auf weiteres nicht zugelassen, vor allem weil noch nicht alles im Zusammenhang mit der Wirkungsweise und mit den konkreten Mechanismen im Abbauprozess geklärt ist. Dafür wären weitere Studien notwendig. Noch gibt es auch keine allgemeinen Richtwerte bezüglich der Dosierung. Sofern der behandelnde Arzt Erfahrung mit der Injektionslipolyse gesammelt hat, würde er anhand seiner Erfahrungswerte und unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten die vertretbare Dosis abschätzen, wobei zu Beginn sicherheitshalber sehr vorsichtig zu dosieren ist. Für ein gutes Resultat sind entsprechend auch bis zu sechs Sitzungen notwendig. Das Ergebnis stellt sich folglich auch nur langsam ein, bei Frauen im Schnitt etwas schneller als bei Männern. Nicht immer entspricht das Resultat den Erwartungen. In der Regel zeigen sich die Patienten mit der Behandlung jedoch zufrieden.